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Deutschland 2030

Angefangen hatte alles damit, dass ein SPD oder war es ein CDU-Politiker die Idee hatte, dass man die elektronische Gesundheitskarte, den Führerschein und den Personalausweis doch in einer Karte zusammenlegen könnte. Schliesslich könnten die Merkmale, ob jemand die Führerscheinprüfung bestanden hatte, auch auf dem Chip gespeichert werden.

Heute leben wir in einem Land, indem sich der gesunde Millionärssohn darüber freut, dass er überall kostenlos selbstfahrende Autos benutzen kann. Schliesslich hat er sich den Führerschein leisten können. Mit dem Merkmal Führerschein auf seiner persönlichen Karte und jung und gesund und den darauf gespeicherten Kreditmerkmalen liessen ihn die selbstfahrenden Autos des Großkonzerns umsonst fahren, weil er ja Alternativen hätte.

Ab und zu benutzte lieh Millionärssohn seine Karte einer entfernten Großtante aus einem verarmten Familienzweig, die eigentlich Residenzpflicht hätte. Immer wenn es um Arme ging, dann verwies er auf diese Generösität seinerseits und das er doch die Armen unterstützen würde.

Da Bargeld abgeschafft wurde konnte er sie nicht direkt unterstützen und eine Überweisung würde ja mit der staatlichen Hilfe verrechnet werden und das sah er gar nicht ein. Insofern regt sich der Millionärssohn jetzt auf, dass in Zukunft selbstfahrende Autos mit biometrischen Gesichtserkennungen ausgerüstet werden sollten, damit ein solcher Missbrauch der Fahrdienste abgestellt werden kann.

Doch er konnte doch nichts dafür, schliesslich war er 2017 gerade mal vier Jahre alt. Er war an der Situation wie sie heute in 2030 herrschte absolut unschuldig. Was kann denn er dafür, dass seine Großtante keine Rente in existenzsichernde Höhe bekam und für vier Kinder hatte sorgen müssen. Hätte sie doch stattdessen wie seine Mutter lieber nur ein Kind bekommen sollen und wie sein Vater Vermögen aufbauen. Auch dass der Bruder seines Großvaters jene Tante verlassen hatte, dafür konnte er doch auch nichts.

Unser Millionärssohn fühlte sich auch nicht dafür verantwortlich, dass sein Vater das ganze Vermögen in GmbHs geparkt hatte und den Steuersatz für das Familienvermögen somit auf 25 Prozent gesenkt hatte. Wäre das nicht so, wäre er nicht Millionärssohn sondern Milliardärssohn, aber so war das private Vermögen halt nur bei Millionen. Für ein eigenes Auto würde es sowieso langen. Die dreissig Prozent der Bevölkerung, die eine Residenzpflicht hatten und sich eh nicht weit von ihrem Wohnort wegbewegen dürften, sollten sich mal nicht so haben. Diese Nörgler, die für die selbstfahrenden Autos zahlen sollen, sollten sich nicht so haben.

Aber gegen die Erkennung von Gesichtern in selbstfahrenden Autos war er trotzdem, denn sonst könnte er ja nicht mehr seine Generösität seiner Großtante gegenüber zeigen.